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Risikobarometer Mittelstand 2010
Risikobarometer Mittelstand 2010
Analyse der Wirtschaftsregion Mittelrhein
Risikobarometer für die Region Mittelrhein steht weiterhin auf "veränderlich"
Fragen nach Bonität, Solvenz und Risiko treten in den letzten Wochen und Monaten, in Folge der Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise auf die heimische Wirtschaft, immer stärker in den Vordergrund.
Auch im wirtschaftlichen Alltag vieler Mittelständler spielen diese Aspekte eine zunehmend wichtige Rolle. So wird der Ausgang von Kreditgesprächen mit Banken oder von Verhandlungen mit Lieferanten und Leasinggesellschaften maßgeblich von der Bonitätsbewertung bestimmt.
Das vorliegende Risikobarometer Mittelstand dient als Instrument zur Darstellung der Risikostruktur der Region Mittelrhein. Ziel ist es, Gefährdungs- aber auch Chancenpotenziale aufzuzeigen. Es wurde von Creditreform Koblenz in Zusammenarbeit mit der Creditreform Rating AG, Neuss, erstellt. Die wirtschaftliche Struktur einer Region wird aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet, um die Risikosituation darzustellen und daraus Rückschlüsse zu ziehen. Im Ergebnis zeigt das Risikobarometer die Struktur der Unternehmen
einer Region, die besonders insolvenzgefährdet sind und welche Betriebe mit einem hohen Ausfallrisiko behaftet sind.
Grundlage und Orientierungsgröße des Analyseverfahrens ist der Creditreform-Risiko-Indikator (CRI in Prozent), der die Ausfallwahrscheinlichkeit von Unternehmen zeigt. Die Analyse ist für Unternehmer, Banken, Stadt- und Kreisverwaltungen sowie Wirtschaftsförderungs-gesellschaften von wirtschaftlichem Interesse.
Das Risikobarometer Mittelstand berücksichtigt nicht nur Insolvenzverfahren der Unternehmen. Das Vorliegen eines Ausfalls wird darüber hinaus auch durch die folgenden Negativmerkmale angezeigt:
- Verbraucherinsolvenzverfahren von unternehmerisch tätigen Personen
- sonstige Insolvenzverfahren
- Haftanordnung zur Abgabe der Eidesstattlichen Versicherung
- Abgabe der eidesstattlichen Versicherung
Rheinland-Pfalz
Verglichen mit anderen Bundesländern ist Rheinland-Pfalz von einer sehr durchwachsenen Risikostruktur geprägt. In den Kreisen und kreisfeien Städten des Bundeslandes
sind mit Ausnahme der ersten alle Risikoklassen vertreten. 2008 wurde für das Bundesland ein Ausfallrisiko von 2,46 Prozent gemessen. Für das Jahr 2009 ist das Ergebnis gleichbleibend.
Mit einem durchschnittlichen Creditreform-Risiko-Indikator (CRI) von 2,46 Prozent liegt Rheinland-Pfalz deutlich über dem Bundesdurchschnitt (2009:
2,30 Prozent).
Die Stadt Trier überrascht in der Analyse mit einem zum Vorjahr stark verschlechterten Ergebnis. So stieg das Ausfallrisiko der Trierer Unternehmen im Vergleich zum Vorjahr deutlich an. Schaffte es die Stadt im Jahr 2008 als einzige der 36 Kreise und kreisfreien Städte in Rheinland-Pfalz mit einem Ausfallrisiko von 1,34 Prozent in die Risikoklasse 1, wird im Jahr 2009 ein CRI von 2,22 Prozent gemessen. Dies entspricht einem mittleren Ausfallrisko. Die Unternehmen der Stadt werden damit aktuell in Risikoklasse
3 angesiedelt.
Generell sind grundlegende Änderungen in den Risikostrukturen vieler Städte und Landkreise in Rheinland-Pfalz zu beobachten. Wurde für Unternehmen im Landkreis Cochem-Zell im Jahr 2008 ein CRI von 1,66 Prozent und ein geringes Ausfallrisiko in Risikoklasse 2 gemessen, konnte im Jahr 2009 ein „Abrutschen“ in die 4. Risikoklasse mit einem CRI von 2,58 Prozent nicht vermieden werden.
Als positives Signal darf der Aufstieg von insgesamt fünf Landkreisen und kreisfreien Städten aus der Risikoklasse 5 bewertet werden. Im Jahr 2008 lagen die Landkreise Frankenthal, Kusel, Altenkirchen sowie die kreisfreien Städte Pirmasens und Zweibrücken mit einem hohen Ausfallrisiko am Ende der Rangliste. Bis auf den Landkreis Frankenthal, der sich mit einem CRI von 2,38 Prozent bis in Risikoklasse 3 verbesserte, rangieren die übrigen genannten Landkreise und kreisfreien Städte nun in der 4. Risikoklasse.
Generell ist zu beobachten, dass sich die Auswirkungen der Wirtschaftskrise 2009 in Rheinland-Pfalz in einem überschaubaren Rahmen bewegen. So gehört in vielen Betrieben sicherlich die Inanspruchnahme von Kurzarbeit zu einem der wichtigsten Faktoren, um einer wirtschaftlich negativen Entwicklung vorzubeugen.
Region Mittelrhein
Die Region Mittelrhein wird mit einem Creditreform-Risiko-Indikator (CRI) von 2,66 Prozent bewertet. (2008: 2,71 Prozent) Gerade in der zum
Anfang des Jahres 2009 verstärkt negativen Konjunkturentwicklung weist die Region eine nicht unerhebliche Zahl an Firmeninsolvenzen auf. In der aktuellen Analyse wird die betrachtete Region Mittelrhein
mit der kreisfreien Stadt Koblenz und den Landkreisen Mayen-Koblenz, Neuwied und dem Westerwaldkreis in die Risikoklasse 4 eingestuft.
925 von rund 34.801 Unternehmen der Region erlitten im Jahr 2009 den wirtschaftlichen Zusammenbruch durch Insolvenz, Haftanordnung oder eidesstattliche Versicherung.
Die Stabilität der Unternehmen am Mittelrhein hat sich allerdings im Laufe des Jahres 2009 merklich verbessert. Ein Blick in die Landkreise zeigt ein gemischtes Bild.
Rangierte die Stadt Koblenz in der Analyse 2008 mit einem CRI von 2,75 Prozent und einem erhöhten Ausfallrisiko in Risikoklasse 4, so bewegen sich die Unternehmen nun in einem verbesserten Umfeld. Mit einem Ausfallrisiko von aktuell 2,33 Prozent ist die Stadt Koblenz in der Risikoklasse 3 platziert.
Unternehmen/Ausfälle der Region Mittelrhein
| |
2008 |
2009 |
| |
Unter-
nehmen |
Ausfälle |
CRI
in % |
Unter-
nehmen |
Ausfälle |
CRI
in % |
| Koblenz, Stadt |
5.719 |
157 |
2,75 |
5.741 |
134 |
2,33 |
| Kreis Neuwied |
9.124 |
248 |
2,72 |
9.238 |
261 |
2,83 |
| Kreis Mayen-Koblenz |
9.190 |
267 |
2,91 |
9.332 |
259 |
2,78 |
| Kreis Westerwald |
10.597 |
266 |
2,51 |
10.490 |
271 |
2,58 |
| Region Mittelrhein |
34.630 |
938 |
2,71 |
24.801 |
925 |
2,66 |
| Rheinland-Pfalz |
211.584 |
5.196 |
2,46 |
215.019 |
5.279 |
2,46 |
| Deutschland |
|
|
2,22 |
|
|
2,30 |
Bezogen auf die einzelnen Branchen zeigt die durch das Dienstleistungsgewerbe und den Handel geprägte Region bisher keine dramatischen Veränderungen bei der Entwicklung der Ausfallquoten. So nahm die Zahl der Ausfälle insgesamt zwar zu, die Anzahl der bisherigen Ausfälle von Unternehmen in den einzelnen Branchen unterscheiden sich dabei momentan allerdings nicht nennenswert von denen der letzten Jahre. Zwar sind besonders im Baugewerbe und dem in der Region wichtigen Gastgewerbe eine relativ hohe Anzahl
an Insolvenzen zu verzeichnen, diese bewegen sich im Vergleich zu den letzten Jahren aber auf gewohntem Niveau.
Der von Creditreform Koblenz prognostizierte Anstieg der Unternehmensinsolvenzen für das Jahr 2010 beläuft sich für die Region aktuell auf 2 bis 5 Prozent. Gerade in den nächsten Monaten wird der Mittelstand auf eine harte Probe gestellt. Mit den bisherigen Konzepten und dem Durchhaltevermögen der handelnden Personen sollte diese Phase für den Großteil der Unternehmer dennoch einen positiven Ausgang finden.
Fazit & Prognose
Das Risikobarometer Mittelstand 2010 lässt eine Verschlechterung der Situation für die Betriebe der Region Mittelrhein klar erkennen. Mit 2,66 Prozent liegt das Ausfallrisiko der gesamten Region deutlich über dem Durchschnitt von Rheinland-Pfalz (2,46 Prozent) und Gesamtdeutschland (2,30 Prozent).
Das Ausfallrisiko von Unternehmen in der kreisfreien Stadt Koblenz (2,33 Prozent) sowie den Landkreisen Neuwied (2,83 Prozent), Mayen-Koblenz (2,78 Prozent) und im Westerwaldkreis (2,58 Prozent) rangiert 2009 zum Teil deutlich über dem Risiko eines Ausfalles der Gesamtwirtschaft in Deutschland (2,30 Prozent).
Unternehmer am Mittelrhein haben damit ein „erhöhtes Ausfallrisiko“.

Im laufenden Jahr kann für die Region Mittelrhein keine Entwarnung gegeben werden. Die positive Entwicklung der Stadt Koblenz und des Landkreises Mayen-Koblenz kommt im Jahr 2010 zum Erliegen. Die Ausfallwahrscheinlichkeit wird in allen Gebieten der Region wieder ansteigen.
Der prognostizierte Creditreform-Risiko-Indikator für 2010 liegt bei 2,70 Prozent. Es ist davon auszugehen, dass die Insolvenzzahlen sowie die Anzahl eidesstattlicher Versicherungen und auch der Haftanordnungen zu deren Abgabe 2010 im Unternehmensbereich weiter steigen werden.
Die aktuelle Version der Analyse stellen wir Ihnen kostenlos als PDF-Dokument zur Verfügung:
Creditreform Risikobarometer Mittelrhein 2010 (PDF)
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